Indem man dem Kind dient, dient man dem Leben

 

Die Textstelle aus dem Matthäusevangelium 20, 24-28 „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen“, passt gut zu unserer pädagogischen Grundhaltung und zur Philosophie der täglichen Arbeit mit den uns anvertrauten 60 Kindern im Alter von 0,6 bis 6 Jahren in unserem Montessori Kinderhaus Sankt Nikolaus Dürscheid.

Maria Montessori (1870 - 1952) hat eine Pädagogik entwickelt, die das Kind in den Mittelpunkt stellt, eng verbunden mit einer christlichen Grundhaltung. In vielen ihrer Schriften bezieht sie sich daher auf Quellen des Evangeliums.

Kinder sind noch in der Lage hinter die Dinge zu schauen. Sie erkennen die Schönheit unserer Welt in den kleinen Dingen. Das Funkeln der Schneekristalle in der Sonne. Die Farben des Regenbogens, wenn sich das Sonnenlicht in einer Kristallkugel, die am Fenster des Kinderhauses hängt, bricht. Ein wenig Schafwolle am Stacheldraht auf unseren Erkundungen im Wald. Sie ekeln sich nicht vor einer toten Maus, die wir auch bei der Kartoffelernte auf dem Kartoffelacker finden. Eine Spinne, die über ihre Hände krabbelt, beobachten Kinder mit großem Interesse. Kinder sind noch nicht geprägt, wie wir Erwachsenen, die oft Dinge mit Vorliebe oder Abneigung betrachten. Für Kinder ist erst einmal alles neu, regt sie zu Fragen und zum Forschen an. Das junge Kind handelt, ohne zu bewerten. Es sammelt eigene Erfahrungen, vor allem durch die Sinne Es entwickelt eine eigene Meinung. Solche Kinder können besser abwägen und hinterfragen Wertungen der Umwelt und der Erwachsenen.

Montessori zeigt dem Kind die Strukturen der Welt an wertneutralen Objekten: Farben, Formen, Geräusche, Gerüche. Das Kind erfährt und unterscheidet, was grün, rund, leise, schwer, klein ist. Den Gegensatz von rau und glatt. Geräusche und Töne können genau gleich sein oder sich unterscheiden.

Dazu geben wir den Kindern Materialien, die einfach, klar und eindeutig sind. Mit diesen machen sie Erfahrungen, die sie befähigen, selber Entscheidungen und Bewertungen zu treffen.

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Im Montessori Kinderhaus bewahrt das Kind die Freiheit seines Ursprungs. Es lernt die Welt kennen, in die es hineingeboren wurde. Es erfährt eine tiefere Dimension als die des "Mag ich" und "mag ich nicht". Der Erwachsene begleitet diesen Prozess durch sein Beispiel. Er unterstützt, leitet an, führt zu Entscheidungen, die dem Kind und der Situation angemessen sind. Er gibt dem Kind "wessen es bedarf", was es braucht, um das Leben zu begreifen, seinen Platz und seine Aufgabe in der Welt zu finden. Montessori formuliert dieses so: „Der Erwachsene ist der Diener des Kindes.“ Wenn nun der Pädagoge, das Kind in seiner Lernfreude begleitet und es sensibel unterstützt bedeutet es allerdings nicht, dass er der Bediener des Kindes ist. Wenn Kindern alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt werden, wenn wir sie verwöhnen stoppen wir jede Selbstständigkeit und den natürlichen Drang des Kindes die Welt kennen zu lernen. Wir machen sie weniger stark, um sich mit Normen und Werten der Umwelt auseinander zu setzen und als verantwortliche Menschen zu handeln. Sie sind anfälliger für Konsum, Drogen und Gewalt und Kriminalität.

Dem Kind und damit dem Leben zu bedienen beinhaltet wesentlich mehr.

„Das Geheimnis der Erziehung ist, das Göttliche im Menschen zu erkennen […] zu lieben und ihm zu dienen […] von der Position des Geschöpfes und nicht der des Schöpfers.“ (Maria Montessori)

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Ein solches Haus ist ein Haus, in dem die Hoffnung wohnt.

Maria Montessori