Unser Malort

Unser Malort – niemals geht man so ganz

 

  Jedes Jahr hinterlassen die Kinder, die im jeweiligen Sommer eingeschult werden, eine Spur im Kinderhaus, indem sie etwas für die anderen Kinder schenken. Mit der finanziellen Unterstützung unseres Fördervereins kauften und renovierten Eltern der Schul-Kinder 2015 einen gebrauchten Bauwagen. Mit viel Liebe renovierten und gestalteten sie diesen Wagen zu einem „Malort“ , der nun den Kindern des Kinderhauses zur Verfügung steht. Die große Front wurde mit Elementen aus unserem Kinderhaus gestaltet. Unter Anleitung von Antonia Pütz, die ihr bundesfreiwilligen Jahr in unserer Einrichtung im August beendet hat, arbeiteten besonders intensiv die Kinder Hannah Dütsch, Leona Lattarulo und Franziska Schiffmann.

Auf der Eingangstür hinterließen alle ihre Spuren mit Namen und Handabdruck.  

Die Idee des Malorts und die Haltung des Pädagogen entsprechen der Sichtweise unserer pädagogischen Haltung nach Maria Montessori. Schon lange haben wir nach einem Raum gesucht, dies unseren Kindern zu ermöglichen. Im Sommer war es dann soweit.

 Arno Stern gilt als der Experte für Kunsterziehung weltweit, hält Referate in Museen, Universitäten und Kunstschulen. Besonders bekannt ist Arno Stern in Frankreich. In Paris gründete er ein Malatelier für Kinder, das durch seine Andersartigkeit bekannt wurde. Er entwickelte eine besondere Methodik des freien Malens, die sich weltweit verbreitet hat. Seine ersten Erfahrungen mit malenden Kindern machte Arno Stern in einem Heim für Kriegswaisen. In den 50 er Jahren richtete er seinen ersten Malort in Paris ein. Heute gibt es diese Malorte überall in der Welt. Arno Stern wurde als Experte der UNESCO zum ersten internationalen Kongress in Bristol delegiert.

 Im „Closlieu“ ( aus dem Französischen, zu Deutsch etwa “abgeschlossen, geschützter Ort“) haben Menschen aller Altersgruppen die Möglichkeit, die freie Malerei individuell zum Ausdruck zu bringen. Allein der freie Ausdruck ist wichtig, Begabung und Können spielen keine Rolle. Im Malort ergänzen sich Freiheit der Äußerung und Strenge der Handhabung, Gemeinsamkeit und Eigenständigkeit. Der begleitende Pädagoge sieht seine Rolle im Dienen, nicht im Belehren. Seine Aufgabe ist es die Spielregeln zu gewährleisten, Ermutigungen zu geben, Farben auffüllen, Wasser auszuwechseln. Die Malblätter werden an den Wänden befestigt, was ein befreiendes Malen im Stehen ermöglicht. Ein Paletten-Tisch als Kollektivinstrument regt zum sorgfältigen Umgang mit den Malsachen an. So entsteht in diesem „Malspiel“ eine Spur aus einem nie zuvor angeregten Impuls – eine ganz besondere Äußerung. Den Kindern wird kein Thema vorgegeben und keine zeitliche Grenze gesetzt. Jedes Kind kann selbst entscheiden, was es malt, wie es malt und wie lange es malt. Die Bilder werden nicht bewertet. Nur so kann die freie Entfaltung des Kindes zum Ausdruck kommen.

Herzlichen Dank, liebe Antonia Pütz für ein schönes Jahr mit dir und die liebevolle Gestaltung unseres Bauwagens. Niemals geht man so ganz, du hinterlässt Spuren und ermöglichst unseren Kindern neue Spuren – Malspuren.


Für das Montessori Kinderhaus

Maria Kley- Auerswald