Unsere Perlenkinder – Perlen des Glaubens

Das Himmelreich gleicht einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie. (Mt 13,44ff)

Diese kostbare Perle ist ein Bild für das Himmelreich. Das Himmelreich als biblisches Bild steht für das, was das Wichtigste ist in meinem Leben, was meinen Lebensmut stärkt und mich trägt, wenn ich in Not bin.
Perlenbänder gibt es in vielen Religionen. Wir Katholiken beten den Rosenkranz, die Buddhisten die Mala, die Muslime das Tisbeh und orthodoxe Christen sprechen das Herzensgebet; bei jeder Perle ein Gebet, der Name Gottes oder ein heiliges Wort, das in meinem Herzen erklingt und es für Gott öffnet. So wie der Rosenkranz, der hilft sich zu sammeln, zu meditieren und uns auf Gott auszurichten, der uns alle hält.
Seit Jahren gibt es ein neues Perlenband, die „Perlen des Glaubens“. Das sind 18 Perlen, die helfen den christlichen Glauben zu erschließen. Jede dieser Perlen hat einen Namen, eine eigene Bedeutung und öffnet neue Ausblicke ins Leben. Der schwedische Bischof Marin Lönnebo machte 1995 eine Reise und wegen eines Sturms saß er auf einer kleinen griechischen Insel fest. Dort beobachtete er Fischer, die weil sie nicht auf Fischfang gehen konnten Kaffee tranken und mit Perlen spielten. Aus dieser Beobachtung heraus entwickelte er ein Gebetsband und gab ihm den Namen „Frälsarkransen“ – was Rettungsring oder Erlösungsring ins Deutsche übersetzt bedeutet. Es geht um die erlösende Kraft der christlichen Botschaft. Im Mai 2003 wurden sie auf dem evangelischen Kirchentag in Berlin bekannt gemacht. Sie werden in Deutschland „Perlen des Glaubens“ genannt und von Menschen aller christlichen Konfessionen genutzt. Es geht darum den Glauben zu entdecken.

Mit unseren Kindern haben wir uns auf den Weg gemacht, die Perlen des Glaubens zu erkunden. Das Perlenband bietet so viele Möglichkeiten, die kindliche Entwicklung im Glauben zu begleiten.
Die Gottesperle ist golden und die größte Perle des Armbandes. Sie bildet Anfang und Ende. Alles kommt von Gott und führt wieder zu ihm hin. Gold ist das Symbol dafür, dass Gott unser Leben begleitet. Die Kinder erstellten ein Bild: „So stelle ich mir Gott vor.“ Sie lernten die Schöpfungsgeschichte kennen.
Die Ich-Perle sagt uns, dass wir alles mit Achtung behandeln sollen, auch uns selbst. Themen waren hier die Segnung der Kinder und Lebensgeschichten von Heiligen und aus der Bibel.
Die sechs Perlen der Stille helfen zum Innehalten und Aufatmen zu kommen. Stille im Advent, Stille in biblischen Geschichten, im Wald und in der Nacht waren Fragen, die uns beschäftigt haben. Stilleübungen nach der Montessori-Pädagogik.
Die Taufperle sagt uns, dass das Leben ein Geschenk ist, was wir von Gott empfangen. Segen und Taufe waren hier die Themen. Eine Einheit nach dem Ansatz von Gott im Spiel war für die Kinder beeindruckend.
Die Geheimnisperlen sagen uns, dass wir die äußere Wirklichkeit über unsere Sinne erfahren, dass es aber noch viele Dinge gibt die uns Geheimnisse des Lebens vermitteln. Geheimnisse in der Natur wurden aufgespürt und die Geheimisse von Gleichnissen wie von der kostbaren Perle, dem Sämann, dem barmherzigen Vater und anderen halfen uns diese Perlen zu ergründen.
Die Wüstenperle erzählt von „Wüstensituationen“.  Wenn ich in der Wüste den Blick hebe, sehe ich, dass sich am Horizont Himmel und Erde begegnen. In der Wüste haben die Menschen viele Erfahrungen mit Gott gemacht. Das Alte Testament ist voller Geschichten, die die Kinder besonders gerne hören.
Die Perle der Nacht erinnert an dunkle Seiten des Lebens. Jesus hat auch dunkle Tage erlebt und trotzdem ist Gott immer da. Stunden im Garten von Getsemani und Kreuzweg.
Die Perle der Auferstehung steht für den Weg vom Tod zum Leben oder von der Finsternis zum Licht. Ostern als Fest des Lebens.
Die Perlen der Liebe. Es sind zwei Perlen, den zur Liebe gehören immer zwei: ein Du und ein Ich. Einer der Liebe schenkt und einer, der sie empfängt. Dir rote Farbe erinnert an Feuer und Geist, Leidenschaft und Leiden und zeigt damit die zwei Seiten der Liebe. Aber auch das Feuer des Geistes, der Mut macht und befreit, sowie in der Pfingsterzählung.
Die Perle der Gelassenheit symbolisiert: Himmel, Meer der Ewigkeit, Barmherzigkeit und Frieden.

So geht das Perlenband mit uns durch das Kinderhausjahr und die Kinder freuen sich auf die vielen Geschichten, Gestaltungsmöglichkeiten, aber auch über die Fragen des Lebens. Es ist gelebte Spiritualität und regt Kinder zum Philosophieren und Theologisieren an. Es macht uns selber sehr viel Freude auf die Fragen der Kinder zu hören und zu erleben, wie nahe sie den Geheimnissen des Lebens sind.

Die Kinder, die im Sommer das Kinderhaus verlassen erarbeiten sich ein Perlenbuch und erhalten beim Abschlussgottesdienst ein Perlenband.

Zu Ostern konnten sie sich „Pasquarella“ eine Perlenraupe basteln, die von den Geheimnissen des Osterfestes erzählt, zum Osterschmetterling wird und die frohe Botschaft weiter trägt. Pasquarella bedeutet: “kleines Ostern.“

Maria Kley-Auerswald, Juli 2019